Museums-Neubau in Hagen ist ein energetisches Kunstwerk
Energiewirtschaft.NRW - Der Neubau des Emil-Schumacher-Museum der Stadt Hagen kann sich sehen lassen - und nicht allein dank der dort hängenden Bilder des in Hagen geborenen Künstlers. Mit einem Energiebedarf von 40 kWh/(m2a) ist das Gebäude fast selbst ein (energetisches) Kunstwerk. Das Energiekonzept dazu liefert das Ingenieurbüro Gerhard Kahlert, welches auch schon beim Diözesanmuseum "Kolumba" in Köln Verwendung fand.
"Museen sind in der Regel mit ihren hohen Räumen, den besonderen Anforderungen an die Beleuchtung und einer häufig komplizierten Steuerung der Luftfeuchtigkeit energetische Extremherausforderungen", so Dipl.-Ing. Matthias Kabus von der EnergieAgentur.NRW. In Hagen wurde diese Herausforderung u.a. dank des Haus-in-Haus-Prinzips gemeistert. Ein weißer Betonkubus, in dem sich die Ausstellungsräume befinden, wird von einer Glashülle umschlossen und schließt den Kubus so klimatisch ab.
Die Beheizung (Winter) und Kühlung (Sommer) erfolgt über die so genannte Betonkernaktivierung (Nutzung des Betonkerns als thermischer Speicher), die von zwei Wärmepumpen unterstützt wird. Beide nutzen die Energie aus 81 Bohrpfählen, die mit einer Länge von je 99 Metern ins Erdreich ragen. Zusätzlich wird die Luft per Erdwärmetauscher vorkonditioniert. Die Wärmepumpen haben eine Leistung von 540 kW und eine Nettoleistung (Wärme und Kälte) von 80.000 kWh/a, der Energieertrag des Erdkanals beträgt rund 10.000 kWh/a.
Im Sommer erfolgt die Klimatisierung u.a. durch die sog. freie Nacht-Kühlung, das heißt, dass nachts das Gebäude mit kühler Außenluft versorgt wird.
Die Glasfassade wird mittels eines Solewasser führenden Systems konditioniert. Das Solewasser dient dabei (im Winter) nicht der Raumbeheizung, sondern es verhindert die Unterschreitung der Taupunkttemperatur, damit sich an den Glaselementen der Fassade kein Kondensat niederschlägt. Im Sommer wird durch das Solewasser eine Aufheizung der Fensterrahmen-Konstruktion unterbunden. Auf diese Weise wird die Einstrahlung von Wärme ins Gebäude verhindert.
Energetisches "Sahnehäubchen" ist eine konsequent südausgerichtete Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Museums. Die Stadt Hagen rechnet mit einem jährlichen Ertrag von zirka 30.000 kWh. Damit wäre der - für Museen typische - hohe Stromverbrauch für die Beleuchtung gedeckt.
Entscheidend für die Stadt Hagen war, dass das energetische Konzept gleichermaßen den funktionalen Ansprüchen sowie den Umweltbelangen effektiv und innovativ Rechnung trägt sowie die Energiekosten gering hält.
Die Gesamtkosten für das Bauwerk betrugen 18,5 Millionen Euro, davon entfielen rund 3,5 Millionen Euro auf die energetischen Anlagen.



