8. Branchentag von kunststoffland NRW e.V.
Kunststoff.NRW - Am Branchentag der Kunststoffindustrie, an dem gleichzeitig das 5jährige Bestehen des Vereins gefeiert wurde, standen die Themen Nachhaltigkeit und Fachkräftemangel im Fokus. Neben Statements hochkarätiger Referenten aus Wirtschaft und Politik, sorgte der Beitrag von Prof. Dr. Michael Braungart über seine „cradle-to-cradle“- Philosophie für lebhafte Diskussionen.
Nach der Eröffnung des 8. Branchentages durch Gregor Hetzke, Leiter des
Geschäftsbereiches Performance Polymers von Evonik Industries, begrüßte Matthias
Poschmann, Vorsitzender des Vereins kunststoffland NRW, ca. 140 Gäste aus
Wirtschaft und Wissenschaft. In seiner Rede verwies Hetzke auf die Bedeutung des
Standortes Marl für Evonik Industries. Seiner Ansicht nach müsse die Branche dafür
sorgen, dass Kunststoffe in der Öffentlichkeit noch mehr als Problemlöser
wahrgenommen werden, da es sich schließlich um einen der innovativsten
Werkstoffe des 21. Jahrhunderts handele.
Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes
NRW, lobte ausdrücklich den Verein kunststoffland NRW; hier würden Kompetenzen
gebündelt und interdisziplinäres Arbeiten – in der heutigen Zeit Voraussetzung für
Innovationen – erleichtert. Und gerade die enorme Innovationskraft zeichne die
Kunststoffbranche aus. In diesem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass 70%
aller Produktinnovationen auf neuen Werkstoffen basierten.
Matthias Poschmann gab einen Rückblick auf die Gründung von kunststoffland NRW
und betonte, dass keines der Mitgliedsunternehmen des Vereins in der vergangenen
Wirtschaftskrise aufgeben musste. Für ihn ein Beweis, dass das Netzwerk
funktioniere.
Im Zusammenhang mit der Vereinsgründung wurde Dr. Manfred Spindler,
Gründungsmitglied und ehemaliger Vorsitzender des Vereins kunststoffland NRW,
für seine Verdienste geehrt.
Kreislaufwirtschaft neu definiert
Ein durchaus kontroverses Echo fand der Beitrag von Michael Braungart, Professor
an den Universitäten Erasmus Rotterdam, Uni Twente und Leuphana Lüneburg. Er
stellte das aktuelle Konzept der Nachhaltigkeit radikal in Frage. Zur Zeit sei erklärtes
Ziel, weniger zu zerstören - damit könne man die Probleme aber nicht lösen. Sein
zukunftsweisender Ansatz sehe dagegen vor, Produkte von Anfang an für den
Kreislauf zu schaffen. Konkret: Es gehe nicht darum nur Müll zu vermeiden wie beim
alten Ansatz „von der Wiege zu Bahre“, sondern Müll als wertvollen Rohstoff zu
sehen. Es gäbe keinen „Müll“ mehr, wenn man alle Produkte von Anfang an so
konzipiere, dass alles wieder in den Kreislauf zurückfliesse („von der Wiege zur
Wiege“). An der aktuellen Art Umweltschutz zu betreiben, kritisiert er, dass lediglich
versucht werde, „das Falsche perfekt zu machen“, das mache es aber nicht besser,
sondern „das Falsche wird dann nur perfekt falsch“ gemacht: Weniger schlecht sei
noch lange nicht gut. Seiner Meinung nach existiere gar kein Rohstoff- sondern ein
Materialmanagementproblem. Durchaus radikale und provokante Positionen. Dabei
richtete er sich aber nicht pauschal gegen die Wirtschaft, sondern forderte dazu auf,
alte Denkmuster zu überprüfen und neue Wege zu gehen. Seine Ausführungen
wurden von den Gästen als interessanter Denkanstoß aufgenommen, auch wenn
nicht alle Punkte Zustimmung fanden.
Herausforderung Fachkräftemangel
Die anschließende Podiumsdiskussion beleuchtete das Thema Fachkräftemangel
aus der Perspektive der Kunststoffindustrie. Hier gibt es eine Reihe von konkreten
Ansatzpunkten sowohl in den Betrieben selbst als auch bei der frühzeitigen
Förderung des Nachwuchses in Schulen und Hochschulen. Kunststoffland NRW
sieht sich hier als Impulsgeber, Katalysator und Promoter für die Branche und ihre
Anliegen.



