Nanotechnologie in der Textilveredlung

- Abgebildet ist a) das Schema zur Anbindung von Nanopartikeln an textile Substrate, im Speziellen von TiO2-Nanopartikeln an PET-Fasern, durch Applikation von funktionalen Polymeren, und b) Polyamidfasern, die mit SiO2-Nanopartikeln, die mit dem Farbstoff Fluoresceinisothiocyanat (FITC) gedopt sind, beschichtet sind (Partikeldurchmesser: ca. 25 nm ).
NMW.NRW - Nanotechnologie wird am DWI zur Textilausrüstung und dabei speziell zur Erzielung neuer Funktionalitäten, z.B. Antischmutz-, UV-Schutz- oder Insektenschutzausrüstung, antimikrobielle Ausrüstung, Glanzeinstellung, Griffveränderung, Erzielung spezieller Effektfärbungen etc. erforscht. Dabei setzen die Wissenschaftler des DWI verschiedene Verfahren zur Herstellung und Anbindung von Nanoteilchen, Kern-Mantel-Partikeln oder Kapseln an das textile Substrat ein. Neuartige Verfahren zur Anbindung von Nanopartikeln an die Textilien werden durch Einsatz von funktionalisierten Polymeren ermöglicht.
Die aktuelle Forschung zur funktionalen Textilausrüstung am DWI beschäftigt sich mit der Erzeugung von Nanopartikel-haltigen Schichten auf Textilien mit speziellen Funktionalitäten, z.B. mikro-raue, wasser- und ölabweisende Schichten für die Antischmutzausrüstung, UV-absorbierende Schichten für eine UV-Schutzausrüstung, Farbstoffpigmente zur Erzielung von Effektfarben, die antibakterielle Ausrüstung mit Nanosilber und die Verkapselung von Bioziden für eine neuartige Insektenschutzausrüstung. Dazu werden sowohl kommerziell erhältliche Nanopartikel (z.B. Ag, TiO2, ZnO, Al2O3 u.a.) in verschiedener Oberflächenmodifizierung als auch am DWI entwickelte Nanopartikel eingesetzt.
Nanopartikel werden auf Textilien appliziert und durch Einsatz von funktionalen Polymeren (z.B. modifizierte Polyamine, Polyethylenimin, sternförmige Präpolymere mit Isocyanatgruppen, Epoxide, Acrylsäureester, Fluorpolymere u.a.) auf dem Substrat fixiert. Zur Erzielung einer optimalen Haftung der Partikel auf den textilen Substraten ist in den meisten Fällen vor der Applikation eine Modifizierung der Oberfläche der Nanopartikel (z.B. hydrophobe oder hydrophile Modifizierung) notwendig. Ein anderes Konzept sieht zunächst eine Beschichtung des Textils mit einem multi-reaktiven Polymeren vor, welches permanent auf das Substrat aufzieht und damit eine reaktive Plattform bildet, auf die im folgenden Schritt die geeignet modifizierten Nanopartikel aufgebracht werden können. Kationische Verbindungen ziehen schnell auf textile Substrate auf und werden daher als Ankergruppen verwendet, um Veredlungsmittel auf Fasermaterialien zu fixieren. Als „Anbindungsplattform“ wurden ultradünne Schichten aus kationischen Polyelektrolyten gewählt, die sich durch permanente Haftung auf den meisten Materialien auszeichnen. Diese „Polyquats“ enthalten außerdem Reaktivgruppen, die nicht mit dem Substrat reagieren. Auf die so vorbehandelten Substrate können nun in einem zweiten Schritt funktionelle Nanopartikel angebunden werden, welche die Oberflächeneigenschaften (Glanz, Griff, Hydro-/Oleophobie, UV-Schutz, antimikrobielle Wirksamkeit) gezielt einstellen. Da die Reaktivität der Oberflächen durch die Polyquats vereinheitlicht wurde, sind die Veredlungschemikalien nunmehr immer gleich, unabhängig von der Art des unterliegenden Materials, aus dem das Textil besteht.
Ein anderes Verfahren zur Ausrüstung von Textilen mit Mikro- oder Nanopartikeln stellt das Sol-Gel-Verfahren dar, das die Stöber-Reaktion oder Mikroemulsionsverfahren zur Erzeugung von SiO2-Teilchen auf dem Substrat nutzt. Das Verfahren kann zur Erzielung mikro-rauer Oberflächen und damit einer Schmutzabweisung oder Griffmodifizierung herangezogen werden.


