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Roll out vom BOcruiser

Hochschule Bochum präsentiert neuen Sonnenwagen

Dem Alltag näher auf vier Rädern: So wird der BOcruiser ohne Benzin durch Australien fahren.© Hochschule Bochum

Am Mittwoch, den 8. Juli 2009 war es soweit: Der BOcruiser fuhr zum ersten Mal für die Öffentlichkeit über die hauseigene Teststrecke der Hochschule Bochum. Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger SolarWorld No.1 sollte  deutlich werden, was die Bochumer SolarCar-Manufaktur unter Innovation bei der Elektromobilität versteht.

In Handarbeit entstand der BOcruiser vorwiegend aus Kohlenstofffasern. Stefan Benninghoff, Nico Blüggel, Niklas Kerssenfischer, Philipp Thesing, Christof Bönneken und Marius Kotyga vom Solarcarteam der Hochschule Bochum traf man selten in der Hochschule an. Ihr Lernort hatet sich nach Gevelsberg  in das Unternehmen Composite Impulse verlagert. Hier bau ten sie die äußere Hülle und das tragende Gerüst, Monocoque genannt, für den BOcruiser. Unterstützt von den Mitarbeitern der Hightech-Manufaktur CI, die vorwiegend für die Formel 1 und die Luftfahrtindustrie im Leichtbau Maßstäbe setzt, wurde Carbon- und Glasfaser in die Negativformen geklebt, ein extrem aufwendiger Prozess in reiner Handarbeit, der Sorgfalt und Sauberkeit verlangt, wenn das Ergebnis perfekt sein soll. Und das ist natürlich der Anspruch, den die angehenden Ingenieure an sich haben: Perfektion!

Der BOcruiser soll ein Musterbeispiel für Energieeffizienz werden, daher ist minimales Gewicht eine der zentralen Designvorgaben. Faserverbundwerkstoffe mit Kohlenstofffasern stellen das Optimum an Festigkeit und Gewicht dar. Die Fasermatten werden mit einem Harzgemisch getränkt, das mit Hilfe von Lackrollen möglichst gleichmäßig in das Gewebe verteilt und eingearbeitet wird.  Eine dünne Folie deckt das Material zunächst ab, damit es problemlos in die Form gelegt werden kann. Je nach Beanspruchung des Bauteils müssen bestimmte Faserverläufe realisiert werden, um die auftretenden Kräfte und Momente aufnehmen zu können. Mehrlagige Schichtaufbauten, die unter Umständen auch Schaumstoff oder sogenanntes Honeycomb-Material in wabenförmiger Struktur enthalten können, schaffen hochfeste Bauteilstrukturen. Zur gleichen Zeit entstanden in der mechanischen Werkstatt der Hochschule die ersten Fahrwerksteile. Hochfestes Aluminium ist hier der Werkstoff der Wahl. Eloxieren in Champagnerfarbe sorgt für eine Korrosionsgeschütze Oberfläche und sieht obendrein noch extrem schick aus. 

Das Projekt

Seit 1999 werden von Studierenden der Hochschule Bochum Solarfahrzeuge entwickelt, die ausschließlich mit der Energie der Sonne angetrieben werden. Der Ursprung findet sich an der Partnerhochschule, der London South Bank University. 2001 fuhr der mit deutschen Studenten in London entwickelte Mad Dog III bei der World Solar Challenge (WSC) in Australien mit. Das in den Jahren 2001 bis 2003 entwickelte Fahrzeug "Hans Go!" erzielte bei der WSC, der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Solarmobile, im Jahr 2003 den 5-ten Platz und im Jahr 2005 den 8-ten Platz. Der Technical Innovation Award für das implementierte Bluetooth-Telemetriesystem, verliehen von der "Australia's Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation" (CSIRO), belegte schon 2003 das extrem hohe Niveau der Entwicklungen.

Das schönste Solarfahrzeug der Welt

SolarWorld No. 1, von 2005 bis 2007 geplant und gebaut, belegte bei der World Solar Challenge 2007 den 4-ten Platz und wurde mit dem Award für das "Beste Design" ausgezeichnet. Im Jahr 2008 erreichte der Sonnenwagen den 3. Platz bei der North American Solar Challenge und wurde für innovative und exzellente Technik in den Bereichen Mechanik und Elektrotechnik prämiert. Das schönste Solarcar der Welt steht also an der Hochschule Bochum, wenn es nicht gerade un-terwegs ist in Australien oder Amerika. Die Stu-dierenden, Mitarbeiter und Professoren aus allen Fachbereichen der Hochschule Bochum präsen-tieren voller Stolz dieses Musterbeispiel von Energieeffizienz.

Sechs Quadratmeter Solarzellen produzieren bei intensivem Sonnenschein die Leistung, die ein Haartrockner benötigt. SolarWorld No. 1 fuhr damit über 3000 km unter der Sonne Australiens durchschnittlich 73 km/h. Die Spitzengeschwin-digkeit liegt bei 120 km/h. Ein Projekt, das alle Facetten des Ingenieurberufes beleuchtet: Teamarbeit, Projektmanagement, interkulturelle Perspektiven und nicht zuletzt die Faszination moderner Technik. Dazu gehört die Herausforderung, durch effiziente Energienutzung ein Fahrzeug komplett mit regenerativer Energie emissionsfrei zu betreiben. 

Die Zukunft

Für die Teilnahme an der World Solar Challenge im Oktober 2009 in Australien wird ein neues Fahrzeug entwickelt und gebaut werden. Als konsequente Weiterentwicklung wird das neue Solarmobil PKW-typische Abmessungen besitzen und nicht als Rennwagen, sondern in Richtung "realistisches Alltagsgefährt" entworfen. Ziel ist es, nicht als Erster über die Ziellinie zu gehen, sondern am Wettbewerb mit dem innovativsten und damit besten Fahrzeug teilzunehmen und der Weltöffentlichkeit erneut zu beweisen, was "made in Germany" bedeutet.

Weitere Informationen:

http://www.hochschule-bochum.de/solarcar.html

 

Kontakt

 

Hochschule Bochum
- SolarCar-Projekt -
Lennershofstr. 140
44801 Bochum

http://www.hochschule-bochum.de/solarcar.html

Projektleitung

Prof. Dr.-Ing. Friedbert Pautzke
Telefon: 0234 / 32 10 343
Friedbert.Pautzke(at)hs-bochum.de

Dipl.-Ing. Stefan Spychalski
Tel.: 0234 / 32 10740
stefan.spychalski(at)hs-bochum.de