Zukunft des Maritimen Logistikstandortes NRW
Logistik.NRW - Politik und Wirtschaft diskutierten beim 3. BranchenForum SchifffahrtHafenLogistik über die Zukunft des Maritimen Logistikstandortes NRW.
Anlässlich des 3. BranchenForums SchifffahrtHafenLogistik.NRW mit dem Titel „Die Zukunft des Maritimen Logistikstandortes NRW“ am 08. Juni 2011 in Duisburg forderten der Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (VVWL) e.V., das Logistikcluster NRW und die Niederrheinische IHK Duisburg-Wesel-Kleve in einer gemeinsamen Erklärung die Bundesregierung auf, keine Reform der Netzstrukturen und der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zu Lasten des Binnenschifffahrtslandes Nr. 1 Nordrhein-Westfalen durchzuführen. Dieses Thema wurde während der Gemeinschaftsveranstaltung - wie die Umsetzung des Nationalen Hafenkonzepts und der geplante Verkauf der Bundesanteile an Duisport - auf dem Podium und im Auditorium sehr kontrovers diskutiert. Mit etwa 90 Teilnehmern aus der Logistikbranche, der Industrie, aus Ministerien, jeweils aus NRW, den norddeutschen Ländern, Belgien und den Niederlanden, stieß das Branchenforum auch dieses Jahr auf ein reges Interesse.
Reinhard Klingen, Abteilungsleiter Wasserstraßen, Schifffahrt im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, machte in seiner Rede deutlich, dass aufgrund der prekären Haushaltslage die geplante Netzkategorisierung unausweichlich geworden ist. Während zu einer ausreichenden Finanzierung von notwendigen Unterhaltungs- und Ausbaumaßnahmen an Wasserstraßen jährlich 1 Mrd. Euro erforderlich ist, stehen dieses Jahr im Wasserstraßenetat für Investitionen etwa 600 Mio. zur Verfügung. Diese Unterfinanzierung wird auch in den kommenden Jahren erhalten bleiben. Hinzu kommt, dass große Infrastrukturprojekte über Jahre einen erheblichen Anteil an Ressourcen binden und ihren verkehrlichen Nutzen erst bei Beendigung des letzten Bauabschnitts entfalten können. Deshalb bleibt es für das BMVBS unumgänglich, die knappen Haushaltsmittel auf einzelne Projekte zu konzentrieren. Als versöhnlichen Abschluss konnte Klingen vermelden, dass NRW sich bei der Umsetzung der WSV-Reform um Münster als Standort der WSD-West keine Sorgen machen muss.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium des Landes NRW, Horst Becker, sagte der maritimen Wirtschaft die politische Unterstützung der Landesregierung zu. „Volkswirtschaftlich kann Priorisierung in vielen Bereichen sinnvoll sein und führt gleichzeitig zur Versachlichung der politischen Diskussion. Priorisierung bedeutet aber, dass Bauvorhaben bevorzugt dort durchgeführt werden müssen, wo die meisten Verkehre anfallen und nicht nach Standortinteressen“, betonte Becker.
Als Koordinator der Binnenländer im Beirat zur Umsetzung des Nationalen Hafenkonzepts versprach er, sich weiter mit vollem Einsatz für eine angemessene Berücksichtigung der Interessen NRWs einzusetzen und kritisierte, dass im Nationalen Hafenkonzept in erster Linie die Nordhäfen und deren Hinterland Berücksichtigung finden. Der Staatssekretär bezog sich auf das Positionspapier des Branchenkreises SchifffahrtHafenLogistik.NRW vom 9. Februar 2011 - der Branchenkreis hatte als Replik auf die „Ahrensburger Liste“ einen Katalog prioritärer Infrastrukturmaßnahmen in NRW zusammengestellt - und unterstrich, dass für die Umsetzung der dort benannten Vorhaben sowie von Projekten in anderen Binnenländern im Rhein-Main-Einzugsgebiet die gleichen Maßstäbe angesetzt werden müssen, wie bei norddeutschen Projekten.
Zum Thema Verkauf der Bundesanteile an Duisport stellte der Staatssekretär klar, dass dieses Vorhaben vom Land NRW nicht unbedingt begrüßt werde. „Es wird nicht das Interesse des Bundes an dieser Region steigern, wenn er nicht mehr Gesellschafter des Duisburger Hafens ist“, so Becker.
Rainer Schäfer, Präsident des Bundesverbandes öffentlicher Binnenhäfen (BÖB) e.V., und Geschäftsführer der Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH & Co. KG, wies angesichts der Wachstumsprognosen allgemein und insbesondere im Hinterlandverkehr der ZARA-Häfen über NRW darauf hin , dass hier das Land eine große Kraftanstrengung vor sich habe. Gelinge es nicht, die Infrastruktur und Kapazitäten nicht nur zu erhalten, sondern auch auszubauen (Stichworte: Drittes Gleis in Verlängerung der Betuwe-Linie, Eiserner Rhein, trimodale Knoten), so drohten NRW Wertschöpfungsverluste durch andere Standortwahl, etwa in Hinterlandhubs in den Niederlanden, und von dort ausgehend dann deutliche Zunahmen von Lkw-Verkehren.
Dr. Christoph Kösters, Hauptgeschäftsführer des VVWL und Clustermanager Logistik NRW betonte, dass NRW ein Logistikstandort von europäischem Rang ist und dass es diese Position zu festigen und möglichst auszubauen gilt: „Die Anbindung an die Nordseehäfen ist wichtig für NRW und ebenfalls ein wesentlicher Faktor für unsere Standortattraktivität. Der Logistikstandort NRW mit seinem maritimen Teil kann nur dann seine Potenziale erschließen, wenn sowohl der nördliche als auch der westliche maritime Korridor bedarfs- wie zukunftsgerecht ausgebaut und vorgehalten werden“.
Der Präsident der IHK, Burkhard Landers, wies bei seiner Rede darauf hin, dass neben einer leistungsfähigen Infrastruktur gerade am Niederrhein auch die Bereitstellung und Sicherung von Industrieflächen für den Güterumschlag und die damit verbundenen Logistikprozesse von immenser Wichtigkeit sind.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete die hochkarätig besetzte Podiumsrunde, die von Lutz Lauenroth, dem stellvertretenden Chefredakteur der DVZ, moderiert wurde. Diskutiert wurde unter anderem über die mengenmäßige und qualitative Entwicklung maritimer Logistik und die bestehende Herausforderung, die Informations- und Kommunikationsketten innerhalb der Supply-Chain zu optimieren. Willem van der Schalk, Geschäftsführer a. hartrodt GmbH & Co. KG, Vizepräsident und Sprecher des Komitees Deutscher Seehafenspediteure (KDS) im Deutschen Speditions- und Logistikverband, forderte auch mit Blick auf die Seereeder bessere Schnittstellen zwischen den Beteiligten der maritimen Kette insbesondere im Bereich IT, um so besser die Anforderungen der Kundschaft z.B. an Tracking und Tracing erfüllen zu können, und verwies auf die hier besser aufgestellte Luftfracht.
Weitere Teilnehmer an der Podiumsdiskussion waren (in alphabetischer Reihenfolge): Jürgen Albersmann (Leiter Unternehmensentwicklung und Kommunikation, Duisburger Hafen AG), Jan Barendregt (Senior Business Manager Logistics, Havenbedrijf Rotterdam N.V.), Stefan Brandt (Prokurist/Kfm. Leiter ZIM Germany GmbH), Danny Deckers (Senior Advisor Hafenbetrieb Antwerpen), Joachim Schürings (Teamkoordinator ThyssenKrupp Steel Europe AG, Einkauf/Logistik), Michael Viefers (Mitglied des Vorstandes Rhenus AG & Co. KG).



